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Floss bauen aus PET-Flaschen

Bild des Benutzers Gonzo
Gespeichert von Gonzo am Donnerstag, 19. Juli 2018 — 20:46
Durchschnitt: 5 (4 votes)
Schwierigkeitsgrad : 
schwierig
Vorbereitungsaufwand: 
hoch
Anzahl benötigter Leiterinnen und Leiter: 
3 Leiterinnen und Leiter
Aktivitätsdauer: 
ein ganzer Tag

Übersicht und Hintergrund

Faires Lager

Im Sommerlager 2017 nahmen die Jubla Sissach mit diesem Beitrag am Wettbewerb von «Faires Lager» teil. Das diesjährige Thema war «Upcycling», also das Verwenden von scheinbar nutzlos gewordenen Abfallstoffen, indem man diese in nutzbare Dinge umwandelt.

Anleitung zum Flossbau

Nach der Einstimmung in den Upcycling-Tag veranstalteten wir ein Bastelatelier, bei dem unser Lagermotto „Piraten“ miteinbezogen wurde. Wir haben, mit dem Ziel mit den Kindern ein Upcycling-Piratenfloss zu bauen, 550 gebrauchte 1.5-Liter-Pet-Flaschen mitgenommen. Da nicht alle Kinder gleichzeitig am Floss schrauben konnten und wir allen Kindern die Chance am Mitwirken geben wollten, führten wir dazu ein Atelier mit mehreren Posten durch. Zwischen diesen konnten die Kinder frei wählen und nach Lust und Laune wechseln.

Das 1.5mx2.5m messende Floss wurde schlussendlich aus ca. 480 gebrauchten Pet-Flaschen erstellt. Das benötigte Holz wurde komplett aus jahrelang gebrauchtem Altholz aus unseren Beständen gedeckt. Die Schrauben sind wiederverwendbar. Da jede einzelne Flasche festgeschraubt und einiges an Holzmaterial zurechtgesägt werden musste, waren für jedes Kind jeden Alters genug Mitwirkungsmöglichkeiten vorhanden. Durch Teamarbeit entstand so der schwimmende Untersatz.

Schritt 1: Flossboden

3 Schalugnstafeln mit je 2.5 m auf 0.5 m werden nebeneinandergelegt. Die mittlere zuschneiden für den Bootsantrieb.

Drei Schalungstafeln bilden die Flossfläche

Schritt 2: Konterlatten

Drei Konterlatten (60x80mm) werden mit den Schalungstafeln verschraubt (ca. 18–20 Schrauben).

3 Konterlatten werden am Floss befestigt

Schritt 3: PET-Flaschendeckel am Flossboden anbringen

Im dritten Teil folgt die langwierigste Arbeit: ca. 480 PET-Flaschendeckel werden mit der flachen Seite (Oberseite) gegen Flossboden von unten an das Floss geschraubt.

Anschliessend kann man die Flaschen wieder senkrecht auf die Deckel schrauben. Die Flaschen werden möglichst dicht aneinandergereiht.

PET-Flaschendeckel werden unten am Flossboden festgeschraubt

 

Schritt 4: Flossantrieb bauen und Seitenwände anbringen

Die etwas älteren Lagerteilnehmer machten sich unter Eigenregie ziemlich selbständig daran, unserem Floss einen Antrieb mit eingespanntem Metallstift zu verpassen. Sämtliches Holz sammelten sie irgendwo auf dem Zeltplatz zusammen und verbanden die kleineren Restholzteile gekonnt zu einem Schaufelrad. Dieses montierten wir hinten auf dem Boot.

Seitenwände dienen zur Stabilisation (Höhe: 25 cm). Sie werden mittels Nägel mit dem Flossboden verbunden.

Seitenwände stabilisieren das Floss

Flagge erstellen und hiessen

Auf alten Leintüchern malten wir das Logo unseres Piratenschiffes: Die Kinder sind sehr begabte Zeichner und verbanden die drei Pfeile des Recycling-Symbols mit zwei überkreuzten Knochen zu einer furchteinflössenden Piratenflagge.

Programmablauf

Einstiegsspiel

Drei Leiter verkleideten sich als Abfallmänner und -frauen im Stile des „Battery-Man“ aus der TV-Werbung. Der kolossale Pet-Mann, die hohle Dosen-Frau und der funkelnde Aluminium-Mann versteckten sich daraufhin an einem geheimen Ort im Wald. Der Auftrag der Kinder war es, den vermenschlichten Abfall zu finden und ihn an der richtigen, voneinander getrennten „Recycling-Station“ im grossen Aufenthaltszelt zu entsorgen.

Danach wird das Floss entsprechend der oben gelisteten Posten zusammengebaut.

Das PET-Floss läuft vom Stapel

Geplant wäre es gewesen, das Floss im Anschluss zu testen, jedoch machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung und wir verschoben das Vorhaben auf den nächsten Tag. Unser Floss, das wir "Pet-Pearl" tauften (in Anlehnung an das Schiff „Black Pearl“ aus dem Film „Fluch der Karibik“), schwamm perfekt auf dem "Lac des Taillères“. Viel besser als wir uns das vorgestellt hatten. Es trug problemlos fünf Kinder und zwei erwachsene Leiter. Auch der Antrieb funktionierte so gut, dass wir die mitgebrachten Paddel nur zum Steuern brauchten. Dem Floss am Ufer zu folgen, war in normalem Schritttempo fast nicht mehr möglich. Der See, der sich etwa 15 Gehminuten vom Zeltplatz entfernt befand, war durch sein ruhiges Wasser und sein flaches Ufer aber ideal für unser Vorhaben. Die Befahrung des Gewässers gestalteten wir als kleine Schatzsuche. Entlang des Seeufers wurden Kartenstücke versteckt, jedes Stück mit dem Hinweis zum nächsten. So mussten die Kinder immer wieder an Land gehen und konnten sich so auf dem Boot abwechseln. Das letzte Kartenstück enthielt den entscheidenden Hinweis, wo der wertvolle Piratenschatz vergraben war. Aus den Materialbeständen des J&S liehen wir 15 Schwimmwesten aus, um die Fahrt für alle Matrosen so sicher wie möglich zu gestalten. Zudem war immer mindestens ein Erwachsener auf dem Boot. Da mehrere Leiter als Rettungsschwimmer mit dem Modul „See“ ausgebildet sind, war für den Notfall vorgesorgt. Die Aktion war für alle beteiligten ein riesen „Gaudi“ und hinterliess begeisterte Piraten und Piratinnen.

Fachgerechtes Floss-Recycling

Am Ende des Lagers war es uns wichtig, die Kinder auch praktisch im Recyceln zu schulen. So bauten wir das Floss alle zusammen auseinander, zerdrückten die PET-Flaschen, führten das Holz, wenn möglich, wieder unseren Beständen zu und sammelten die Schrauben zur Wiederverwendung zusammen. Die PET-Flaschen wurden schliesslich bei einer PET-Abgabestelle fachgerecht dem Recycling-Kreislauf zugeführt und dies den Kindern vermittelt.

Überlegungen zum Programm

PET ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft. Beinahe jedes Getränk, das man nicht direkt vom Wasserhahn konsumiert ist damit verpackt. Dies führt zu einem gigantischen Volumen an Abfall. „Nachhaltig denken“ bedeutet in „Kreisläufen denken“ und so ist PET nicht gleich Abfall, sondern kann wiederverwertet werden.

Dafür steht im übertragenen Sinne auch unser Floss: Aus einem riesigen Haufen PET-Flaschen ist es möglich, etwas Neues zu erschaffen, anstatt dies in der Verbrennungsanlage zu heisser Luft und CO2 zu verbrennen. Mit diesem für uns schon rein logistisch grossem Upcycling-Projekt, wollten wir den Kindern aufzeigen, was für riesige Abfallmengen täglich produziert werden und dass dieser ein Leben nach dem Erstgebrauch haben kann. Wenn etwas Sinnvolles daraus entsteht, umso besser. Wer denkt bei der Benützung einer neuen Getränkeflasche daran, dass diese im letzten Leben ein Teil eines Piratenschiffes war und im vorletzten einem anderen Menschen als Durstlöscher diente?

Entsorgt man PET nicht fachgerecht, endet es wie so viel des Plastikmülls unserer Welt im Meer und bedroht dort als Mikropartikel in riesigen Müllstrudeln das Ökosystem. Auch dafür sollte, um zwei Ecken gedacht, unser Floss stehen. Denn Plastik schwimmt sehr gut, wie unser Floss beweisen konnte. Wenn Plastik in Gewässern landet, verbleibt er dort jahrzehntelang an Orten, wo er nicht hingehört.

Die fachgerechte Entsorgung nahmen wir dabei in mehreren Programmpunkten auf. Im Einführungsspiel (siehe 1.1 Einführungsspiel) war das fachgerechte Entsorgen und Trennen des Abfalls ebenso Thema wie beim Recyceln des Bootes am Schluss (siehe 1.4 Fachgerechtes Recycling des Bootes). Um das Volumen des Abfalls zu verkleinern, wurde den Kindern beigebracht, jede PET-Flasche zu zerdrücken und sie, damit sie nicht den See verschmutzen und zudem ein weiteres Leben haben, getrennt von anderen Abfällen zu entsorgen. Dieses weitere Leben der PET-Flaschen spart nicht nur Ressourcen, sondern kommt auch dem Klima zugute, wie die Grafik unten zeigt. In Zeiten schmelzender Gletscher und sich abzeichnender Klimakatastrophe muss auch diesem Aspekt Beachtung geschenkt werden.

Piktogramm mit der Rückgabe von 12 PET-Getränkeflaschen ist deine Autofahrt von 9 km CO2 neutral